dr. manfred miller managementberatung

Privatisierung der Vorkassenbackshops bei Edeka Minden-Hannover

Nach tegut und Rewe plant jetzt auch die Edeka Minden-Hannover, Vorkassenbackshops an Edeka-Kaufleute oder selbstständige Partner zu übergeben. Zurzeit betreibt die Regionalgesellschaft unter dem Namen „Schäfer’s“ 877 Backshops. Selbstständige sollen diese nun in Eigenregie weiterführen.

Stark gestiegener Wettbewerbsdruck, höhere Rohstoff- und Energiepreise und die Konkurrenz durch die Backstationen im Lebensmitteleinzelhandel machen die Vorkassenbackshops für die Edeka Minden-Hannover wirtschaftlich immer uninteressanter. Verschärft wurde das noch durch den Eintritt der Discounter ins Backwarengeschäft. 2011 sank das Ergebnis der Schäfer-Vorkassenbackshops von 4 auf 1,8 Millionen Euro.

Selbstständigkeit und Eigenverantwortung als Motivation

Menschen in der BackwarenbrancheDie Kaufleute und Marktbetreiber seien die besseren Brötchenverkäufer. „Wer in die eigene Tasche wirtschaftet, strengt sich einfach mehr an.“ heißt es aus Kreisen der Edeka Minden-Hannover. Zusätzlich dazu sollen die Kaufleute mehr Handlungsfreiheit in Sachen Sortiment und Präsentation bekommen. So können sie besser auf die Bedürfnisse der Kunden eingehen und das Sortiment an die  Anforderungen des jeweiligen Standorts anpassen.

Für die Privatisierung gibt es positive Musterbeispiele innerhalb der Regionalgesellschaft. Seit zwei Jahren betreibt ein Unternehmer und Vorstandsmitglied in einem seiner 25 Märkte den Vorkassenbackshop in Eigenregie. Das Ergebnis kann sich sehen lassen: Er verzeichnetet in dieser Zeit eine Umsatzsteigerung von 20%.

Es gibt aber auch kritische Stimmung zu der bevorstehenden Privatisierung. Insbesondere die zuständige Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten NGG befürchtet, dass die Beschäftigten Leidtragende des Strukturwechsels sein werden. Konkrete Aussagen zu Zukunft der Mitarbeiter liegen noch nicht vor. Die Ankündigung „akzeptabler Übernahmeangebote“ sei noch zu unkonkret.

Aber auch nicht alle Marktbetreiber sehen dem Strukturwandel optimistisch entgegen. Einige haben keine Lust aufs Brötchenbacken. Sie sehen sich jetzt schon als Verlierer, weil sich der Wettbewerbskampf ihrer Ansicht nach momentan an der Preisfront entscheidet. Mit den Discountern könne man hier kaum mithalten.

Auch in anderen Regionalgesellschaften werden einige Vorkassenbackshops privatisiert. Ein Systemwechsel wie bei der Edeka Minden-Hannover ist zurzeit, weder in anderen Regionalgesellschaften noch konzernweit angedacht. Privatisierungen in anderen Regionalgesellschaften finden nur im Einzelfall statt.